Vier Engel auf der Rychenberg-Bühne

«Zwischen drei Welten» ist ein Schülermusical im wörtlichen Sinn: Gespielt wird es von Gymnasiasten; Autorin, Komponistin und Regisseurin ist eine 17-jährige Maturandin.

Noch klappt nicht alles, wie es sollte. Die zwei Tussis sprechen nicht deutlich genug, der Vorhang bleibt an entscheidender Stelle offen, der Engel Ferdinand verpasst wieder einmal seinen Einsatz. Und jetzt hat die Hauptdarstellerin einen Lachanfall mitten in der ergreifendsten Szene. Wir befinden uns in der Aula der Kantonsschule Rychenberg, wo an diesem Sonntagnachmittag eine der letzten Proben des Schülermusicals «Zwischen drei Welten» über die Bühne geht.

Die Handlung: Stiftin Angela hat eigentlich keinen Grund, unzufrieden zu sein. Gerade hat sie eine neue Lehrstelle gefunden, und auch sonst läuft alles bestens. Dennoch ist sie unglücklich und zweifelt am Sinn des Lebens. Deshalb greifen vier Engel ein. Einer der Ihren erscheint Angela im Traum und erteilt ihr einen Auftrag: Sie soll herausfinden, was Glück ist. Eine Aufgabe, die sich als gar nicht so einfach erweist.

Treibende Kraft hinter dem Theaterprojekt ist Maturandin Marie-Cristine Kapta, die das selber geschriebene und komponierte Musical als Maturarbeit einreichte. Zuerst habe sie als Bühnenbegeisterte «nur» ein Theaterstück aufführen wollen. Dann habe sie aber erkannt, dass sich mit Musik Stimmungen besser ausdrücken, ja kreieren liessen, worauf sie sich ans Klavier und Keyboard setzte, Melodien zu Papier brachte und Songtexte entwarf. Entstanden ist so eine 140-seitige Partitur für neun Instrumente vom Xylofon über drei Geigen zum Schlagzeug und Kontrabass.

Geschrieben und komponiert hat Kaptan ihr Musical in den Ferien. Darauf mussten Mitspieler gesucht und gefunden werden ebenso wie zehn Instrumentalisten für den musikalischen Teil. Seit den letzten Sommerferien traf sich die Truppe einmal die Woche in der Aula zur Probe. Am Donnerstag findet die Uraufführung statt.

Suche nach dem Glück

Mit ihrem Stück möchte sie «zum Denken anregen», sagt die Autorin. Denn: «Wer weiss schon so genau, was Glück ist?» Eine Frage, die sich die meisten Erwachsenen schon nicht mehr stellen, zu der die Siebzehnjährige aber eine dezidierte Meinung hat. Dem schriftlichen Teil ihrer Maturarbeit fügte Kaptan ein Tagebuch bei, in welchem sie den Werdegang ihres Projekts protokollierte. «Ich habe mich auf etwas eingelassen, ohne zu wissen, ob ich überhaupt fähig bin, Musik zu schreiben», notiert sie Anfang Sommer selbstkritisch. Und mehrmals schreibt sie von Überforderung, von Panik, ob sie ihr Vorhaben auch durchziehen kann. Umgekehrt sind auch die Glücksmomente erwähnt, da sie Inspiration erlebt: «Heute ist etwas Eigenartiges geschehen: Plötzlich hatte ich eine Melodie im Kopf ...» Der «absolute Tiefpunkt» war jener Tag, als aufgrund einer Fehlmanipulation am Computer alle ihre Aufzeichnungen gelöscht wurden. Zum Glück hatte sie noch den Ausdruck einer frühen Fassung zur Hand, so hielt sich der Schaden in Grenzen.

Natürlich sind Stück und Spiel nicht so ausgefeilt wie in einer Erwachsenenproduktion. Einzelne Dialoge wirken etwas künstlich, die Lichteffekte sind aufs Nötigste beschränkt, die Spieler bewegen sich zuweilen gar unbeholfen über die Bühne. Aber was solls. Viel wichtiger sind die Spiel- und Singfreude aller Beteiligten, das Engagement und die Ernsthaftigkeit, mit welcher alle ihre Aufgabe erfüllen, Musiker und Musikerinnen inbegriffen.

«Eine eindrückliche Leistung», sagt denn auch Jürg Rüthi, Musiklehrer am Rychenberg, der selber schon zahlreiche Musicals realisiert hat. «Meine grösste Sorge ist, dass das Theater langweilig wird», steht an einer Stelle im Projekttagebuch der jungen Musicalautorin. Sie mag beruhigt sein: Ihre Sorge ist unbegründet. (Jean-Pierre Gubler)

«Zwischen drei Welten»

Aula der Kantonsschule Rychenberg; Donnerstag, 1. Februar, und Freitag, 2. Februar, je 19.30; Samstag, 3. Februar, 20 Uhr; Eintritt frei, Kollekte.