Geistliches Reisegepäck

Der Probelauf vor der Konzerttournee nach Südfrankreich ist geglückt: Der Chor der Kantonsschule Rychenberg unter der Leitung von Jürg Rüthi begeisterte.

WINTERTHUR Zwölf Tage werden die rund 30 Sängerinnen und Sänger des Chors der Kantonsschule Rychenberg in Frankreich unterwegs sein. Fünf Konzerte bestreiten sie in verschiedenen Kathedralen und Kirchen Südfrankreichs. Geprobt hat der Chor intensiv, Konzertroutine aber fehlt noch. Deshalb präsentierten die Schülerinnen und Schüler das Programm am Sonntagabend in der Zwinglikirche Winterthur. Zum Abschluss des Konzerts gab der Chor zusätzlich eine Kostprobe des Kontrastprogramms mit fröhlichen und lebendigen Volksliedern, mit denen man auf Strassen und Plätzen auf die Konzerte aufmerksam machen will.

Im Vordergrund standen Vertonungen von Teilen des Messetextes. Das beschwingte «Gloria» von Knut Nystedt und die ruhigeren Stücke «Pater noster» von Maurice Duruflé sowie «Agnus Dei« von Charles Gounod wurden anmutig interpretiert. Fast moderner, obwohl aus der Barockzeit stammend, wirkte allerdings das «Halleluja» von Georg Friedrich Händel, das in einem Arrangement mit Bass, Klavier, Schlagzeug und Vocals präsentiert wurde. Die Instrumentalisten Florian Läuchli (Klavier), Andreas Wahlbrink (Kontrabass) und Timothy Rüthi (Schlagzeug) stammten ebenso aus den eigenen Reihen wie die Solistin Marena Whitcher und der Cellist Reto Friedrich. Was der Chor ansatzweise effektvoll gestaltete, fehlte bei der Interpretation der Musiker indes weitgehend. Durch die fehlenden Dynamikstufen überdeckten sie manchmal den Chor, und auch die Tempowechsel gelangen nicht allen gleich gut.

Den Höhepunkt des Konzerts lieferte die «Gospelmass» von Robert Ray, einem 1946 in St. Louis geborenen Pianisten, Dirigenten und Komponisten. Jürg Rüthi berichtete, wie er von diesem Werk fasziniert war, als der Komponist es 1995 am Weltchorfestival in Linz selber vorstellte. Die sechs Messesätze sind durch den Einsatz von Rhythmusgruppe, Solistin und Chor abwechslungsreich arrangiert. Nach «Kyrie, Lord have mercy» und «Gloria, God in the highest» folgte ein anspruchsvolles «Credo, I believe in God», das es sowohl in der Stimmlage als auch in der Rhythmik in sich hatte.

Die Höhe ausgekostet

Das darauf folgende «Halleluja» war ruhiger, im Gesamtchor sehr melodisch gestaltet. Dagegen begann beim «Sanctus, Holy Lord God of Hosts» die Rhythmusgruppe alleine, der Chor stieg leise ein, was eine schöne Wirkung hatte, nur dass die Instrumente fast ein wenig zu laut waren. Im schönsten und zugleich letzten Teil der Messe, «Agnus Dei, Lamb of God», kam endlich die Stimme von Solistin Marena Whitcher zur Geltung. Sie sang eine längere Passage und hatte so Zeit, die Höhen auszukosten. Die langsame, solistische Einleitung der Sängerin mit Klavier und Kontrabassbegleitung weitete sich wiederum zu einer gelungenen Chorpassage aus und lieferte so einen wundervollen Abschluss der Messe.

Nun ist klar, weshalb das Gospelwerk in den USA so beliebt ist und auch Jürg Rüthi nicht darauf verzichten möchte. Der Konzerttour nach Südfrankreich steht nichts mehr im Wege. (Ramona Früh)