Solidarität verlangt nach schnellen Beinen

Sie rannten gestern für einen guten Zweck: Gymnasiasten aller drei Kantonsschulen sammelten mit einem Sponsorenlauf Geld für zwei Schulprojekte.

Bereits bei der Ausgabe der Startnummern herrscht eine gewisse Nervosität. «Das ist ein besonderer Lauf, wo es sich lohnt, sein Bestes zu geben», sagt einer der Teilnehmer. Und ist am Schluss, nach 25 Minuten und über zehn Runden, geschafft. «Das war alles andere als ein Spaziergang», sagt er, ringt nach Luft und wischt sich den Schweiss von der Stirn.

Geschwitzt hat er für einen guten Zweck: Wenn die Winterthurer Mittelschulen ihr Jubiläum feiern, sollen andere Schulen, die materiell weniger privilegiert sind, davon profitieren. Unter diesem Motto stand der gestrige Sponsorenlauf aller drei Gymnasien mit Start am Graben. Gut 1600 Schülerinnen und Schüler haben sich daran beteiligt. Zuvor hatten sie ihre Sponsoren selber gesucht und mit ihnen die Höhe des Rundenbeitrags ausgehandelt. Das gesammelte Geld kommt nun zwei Schulprojekten in Berggebieten zugute, eines davon in der Schweiz, das andere in Ecuador. Insgesamt wurden für die beiden Projekte rund 100 000 Franken «erlaufen».

Bei den Schülern kommt die Aktion gut an. «Es ist mir wichtig, dass wir möglichst viel Geld für die beiden Projekte zusammenbringen», sagte Till Wittmer (15), der die 3. Klasse an der Kantonsschule Rychenberg besucht. Sina Lengerer (16) findet, dass das 150-Jahr-Jubi­läum der Winterthurer Kantonsschulen ein wichtiger Anlass ist. «Vor allem zeigt er, dass die Kantonsschulen ein Schulsystem sind, das funktioniert. Sonst wären sie kaum so alt geworden.»

Der Lohn für die Strapazen

Am Sponsorenlauf hat Lengerer teilgenommen, weil damit Projekte unterstützt würden, die das Geld wirklich nötig hätten. Wie ihr Kollege Dominic Marti (16) besucht sie die dritte Klasse im Lee. Dieser hat, wie er sagt, an einem Infotag an der Schule mehr über die beiden Projekte erfahren. «Besonders spannend finde ich das Projekt in Ecuador.» Auch Dilara Ant (16) von der Kantonsschule Büelrain weiss über die beiden Projekte gut Bescheid. «Unsere Lehrer haben uns dar­auf aufmerksam gemacht, dass wir uns auf der Homepage zum Jubiläum dar­über informieren können. Jetzt wissen wir, wo am Schluss das Geld hingeht.» Gleicher Meinung ist Matthias Pfister (17), der das vierte Schuljahr am Büelrain absolviert. Ihm gefällt die Idee, dass man Runden läuft, um ein Projekt zu unterstützen. Pfister spielt im Team der A-Junioren beim SC Veltheim und geht regelmässig ins Fitnesscenter. «So gesehen hatte ich gute Voraussetzungen.»

Unterstützt haben die Schüler das Internat Mira in der Region Los Altos del Pilahuin am Fuss des Chimborazo, des höchsten Bergs von Ecuador. Es ist weit und breit die einzige Schule für die rund 60 Kinder, die jeweils von Montag bis Freitag von zwei einheimischen Lehrkräften unterrichtet werden. Nebst dem Schulunterricht geniessen die Erst- bis Sechstklässler auch die Mahlzeiten, Sportangebote. Das Internat wurde mit Hilfe von Spendengeldern des Vereins Pro Mira im Jahre 2009 fertig gebaut. Der andere Teil des gesammelten Geldes geht an die Walsersiedlung Tenna, hoch über dem Versamer Tobel im Bündner Vorderrheintal, die sich angesichts steigender Schülerzahlen vor die Tatsache gestellt sieht, ihr Schulhaus zu erweitern. Geplant ist ein Schulgebäude für die Gesamtschule von der 1. bis zur 6. Klasse. Zudem ist das Haus so konzipiert, dass es Raum bietet für die Nutzung bei Vereinsanlässen, Gemeindeversammlungen oder Hochzeitsfeiern und als Unterkunft für Schullager.

Christian Lanz