Sherwood Forest auf dem Rychenberg

Drei Jahre nach «Mondgold» präsentiert die Kantonsschule Rychenberg ein neues Musical: «Robin Hood». Liebeslieder kommen zwar darin vor, ein Happy End gibt es aber nicht.

«Ihr solltet jetzt wieder heim.» Lachend schubsen die «merry men», Robin Hoods Kumpanen, den dickbäuchigen Sheriff durch den Wald. Mit einem «Da gehts lang» und ein paar drohenden Fäusten komplimentieren die sechs lustigen Gesellen den bösen Mann endgültig aus dem Sherwood Forest. Vom Sheriff halten sie ganz offensichtlich herzlich wenig. «Robin Hood ist unser Hauptmann», heisst es und: «Wir folgen den Gesetzen - sofern sie uns behagen.»

Es ist das neue Musical der Kantonsschule Rychenberg, das den Helden aus England einmal mehr Leben einhaucht. Schon zum vierten Mal haben Jürg Bleiker (Libretto) und Jürg Rüthi (Musik) zusammengespannt und präsentieren ab heute ein Musiktheater, das an die Erfolge seiner Vorgänger anzuknüpfen verspricht.

Bleikers Fassung zeigt Robin als pfiffigen Bogenschützen, der sich gegen die Willkür des Prinzen wehrt. Bei den Reichen holt er sich, was er zum Leben braucht, manchmal auch ein bisschen mehr: Einem feuchtfröhlichen Fest hie und da ist der Rebell mit dem grünen Hut schliesslich auch nicht abgeneigt. Sein Herz hat er an die schöne Maid Marian verloren, seine Sandkastengefährtin, die er nach Jahren an einem Bogenturnier wieder trifft. Obwohl es im Anschluss daran gleich zwei Hochzeiten gibt, will sich zum Schluss des Stückes keine freudige Stimmung einstellen.

«Robin Hood» weist keinen klaren Handlungsstrang auf. Vielmehr zeigen die über 100 Darsteller in 15 Szenen besonders eindrückliche Ausschnitte und Facetten der berühmten Legende. Es ist, als ob jeweils für kurze Zeit ein Gemälde zum Leben erwachte, bevor das Licht wieder erlischt und sich der Schauplatz wandelt. Es ist daher ratsam, vor der Aufführung einen Blick ins Libretto zu tun. Denn auch für Robin-Hood-Kenner hält Jürg Bleikers Version die eine oder andere Überraschung bereit. Und weil die Liedtexte nicht immer klar verständlich sind, läuft man bisweilen Gefahr, wichtige Wendungen zu verpassen.

Hervorragende Solisten

Die Verbindung zwischen den Szenen stellen die Figuren her, die immer wieder auftauchen. Sie sind der eigentliche rote Faden: allen voran natürlich Robin (Kevin Richner) und Marian (Irina Matti), aber auch der Mönch Friar Tuck (Olivia Bazzi), der schlagkräftige Little John (Georg Heuzeroth) und der Barde Allan-a-Dale (Marena Whitcher). Das Duo Bleiker/Rüthi hat beim Casting eine glückliche Hand gehabt. Die Solisten überraschen durchs Band als äusserst begabte Schauspieler und Sänger, wobei insbesondere Kevin Richner und Irina Matti stimmliche Glanzleistungen vollbringen.

Imposant ist auch der fast fünfzig Stimmen starke Chor, der im grünen Gewand den Wald verkörpert. Dass er sich mal frei auf der Bühne, mal elegant an Ort zur Musik bewegt, bildet einen lebendigen Kontrapunkt zum bewusst schlicht gehaltenen Bühnenbild (Susann Dubs). Noch viel beweglicher als der Chor aber zeigen sich die 13 Tänzerinnen unter der Leitung von Simone Staehelin und Linda Mettler. Auch sie gehören gewissermassen zur Kulisse und treten je nach Szene in volkstümlichen Kleidern oder Minijupes und Hotpants auf.

ANNA WEPFER