Stabsübergabe an der Kanti Rychenberg

Franziska Widmer Müller ist neue Rektorin an der Kanti Rychenberg. Sie möchte die Wertschätzung der Matura wieder erhöhen.

Ab heute ist Franziska Widmer Müller Leiterin der Kantonsschule Rychenberg. Die Germanistin übernimmt das Amt von Jürg Muraro, der die Schule während acht Jahren geleitet hatte. «Die Reform des Maturitätsreglements (MAR) ist durch, der Neubau fast fertig, und auch die Einführung der Fachmittelschule ist auf gutem Weg; man könnte meinen, ich habe einen ruhigen Start», sagt Widmer Müller. Die Schule trete nun zwar in eine Art «Konsolidierungsphase», doch von Gemütlichkeit könne trotzdem keine Rede sein, erklärt sie. Denn sobald etwas abgeschlossen sei, gehe die nächste «bildungspolitische Baustelle» auf. So erfordere beispielsweise die Neuorganisation der Aufnahmeprüfung ihren Einsatz, und auch beim neuen Maturitätsreglement stehen bereits erste Änderungen an. In diesem Jahr werden die Kandidaten der Gymi-Prüfung zum ersten Mal einen von der Bildungsdirektion zentral erstellten Prüfungsbogen zu lösen haben. Widmer Müller begrüsst die Absicht, alle Teilnehmer gleich zu prüfen und gleich zu behandeln. Mehr Gerechtigkeit könne aber letztendlich nur erreicht werden, wenn die Kinder in den Primarschulen gleichermassen gefördert werden.

Die neue Schulleiterin hat sich auch für den Schulbetrieb am «Rychenberg» Ziele gesteckt. Da das Langzeitgymnasium nun bei der Bildungsdirektion nicht mehr auf der «Abschussliste» stehe und dessen Abschaffung nicht mehr zur Debatte steht, habe man dort jetzt Raum für Innovationen. Man suche nach Ideen, um die Begabungen der Schüler besser zu fördern. Die Rektorin beschreibt das Modell des Langzeitgymnasiums als «Erfolgsgeschichte» und sieht in ihm auch eine Alternative zu den kürzlich vorgeschlagenen Elitegymnasien. Auch die Wertschätzung des Maturabschlusses möchte Widmer Müller wieder steigern: «Eine Rychenberger Matur ist viel wert, und ich möchte, dass man dies wieder so wahrnimmt», sagt sie.

Die Rektorin sieht die Aufgabe der Gymnasien bei der Vorbereitung auf die Hochschule. Es ehre die «Gymis» zwar, dass beispielsweise Banken vermehrt auch Maturanden für ihre Praktika haben wollten, doch die grosse Mehrheit der Gymi-Absolventen beginne früher oder später ein Hochschulstudium; deshalb müssten die Kantonsschulen auch versuchen, ihre Schüler möglichst gut darauf vorzubereiten. Bei den Mittelschulen gebe es in diesem Bereich durchaus noch «Handlungsbedarf». So müssten beispielsweise Kompetenzen wie Vortragsstrategien und Arbeitsorganisation am Gymi besser geschult werden. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit möchte sie deshalb auch bei der «Schnittstelle zwischen Mittelschule und Hochschule» setzen.

Das traditionelle Aushängeschild der humanistischen Bildung, den Lateinunterricht, sieht Widmer Müller trotz abnehmender Schülerzahlen nicht bedroht. «Solange an den Universitäten ein Lateinobligatorium besteht, wird es bei uns den Latein- unterricht geben», erklärt sie. (Marius Beerli)